Presseberichte aus dem Jahr 2011

Warmer Klang, Präzision und Spass
Stimmungsvolle Sommerserenade mit Cappella dei Giovani auf Schloss Liebegg


von Jürg Nyffenegger - Gränichen, 21.8.2011

Sie dürfen mit Fug und Recht stolz sein: Verena Gallati, die 1993 in Wohlen die Cappella dei Giovani gegründet hat, David Schwarb, der sie ab 1997 zehn Jahre lang geleitet hat, Droujelub Yanakiew, der das Ensemble seit vier Jahren dirigiert, die gut zwanzig jungen Musikerinnen und Musiker und nicht zuletzt «Schlossherr» Magnus Würth, der einmal mehr einen feinen Riecher für eine aussergewöhnliche Serenade zutage legte: Sie alle vermochten ein Publikum, das im schmucken Liebegger Schlosshof bei herrlichem Sommerwetter bis auf einen jeden Stuhl besetzte, zu begeistern.
Dass die Sommerserenade auf Schloss Liebegg längst kein Geheimtipp mehr ist, war auch daran zu sehen, dass sogar Besucher aus vielen Nachbarkantonen den Weg ins Wynental gefunden hatten. Mitten im Publikum sassen übrigens auch drei Mitglieder der Aargauer Regierung.
Das Kammerorchester setzt sich aus Musikstudenten und jungen Musikern mit Diplom zusammen. Es ist gar nicht so einfach, in die Cappella aufgenommen zu werden. Konzertmeisterin Silvia Hunziker sorgt mit gutem Gespür dafür, dass nur mitmacht, wer die hohen Ansprüche des Orchesters zu erfüllen vermag.
Zu den Zielen des Ensembles gehören nicht nur Konzerte, die das Publikum erfreuen, sondern vor allem auch die Nachwuchsförderung. Nicht von ungefähr sitzen denn heute mehrere Ehemalige in namhaften Sinfonie - und Kammerorchestern.
Auf dem Serenadenprogramm standen drei bestens bekannte Werke: Mozarts Serenade KV 136 und seine heitere Jugendsinfonie in A-Dur, die der Meister mit 18 Jahren vollendete. Dazwischen erklang Antonin Dvoráks Serenade für Streichorchester. Eine solche Programmkonzeption birgt auch Gefahren in sich, denn zweifelsohne werden auch Vergleiche hergestellt.

Beliebtes phänomenal interpretiert
Will man die Interpretationen durch die Cappella die Giovani mit wenigen Begriffen charakterisieren, so dürften es die folgenden sein: Präzision, warmer Klang (fantastisch der «böhmische Sound» bei Dvorák!), Differenziertheit, Aufmerksamkeit, Freude, Spass.
Das kleine Orchester braucht keinen Vergleich mit bekannten und professionellen Kammermusikformationen zu scheuen. Auffallend der ständige Blickkontakt der Musiker mit dem Dirigenten, das aufmunternde Lächeln zum Pultnachbarn. Auch nicht selbstverständlich ist das spürbar tiefe Verstehen der Partituren: Da gibt es keine Zufälligkeiten, jeder Ton, jede Sequenz, jedes Crescendo, jedes Diminuendo muss so sein.
Als Beispiele mögen der langsame Satz in Dvoráks Serenade und die unglaublich feine Ausgestaltung der Bläserparts in Mozarts Sinfonie dienen. Andererseits überzeugten die Musiker auch mit Virtuosität, gepaart mit verblüffender Präzision, so zum Beispiel in den Ecksätzen der beiden Mozart-Werke. Beinahe unglaublich fein gelangen die Pianissimo-Stellen, die vor allem bei Dvorák eminent wichtig sind.
Genau, fordernd und fördernd, gut gelaunt, nie theatralisch, beinahe bescheiden und oft lächelnd stand der Bulgare Droujelub Yanakiew am Pult: ein begnadeter Orchesterleiter, der den lang anhaltenden Applaus des Publikums gerne mit seinen jungen Instrumentalisten teilte. Man würde es der Cappella dei Giovani gönnen, wenn die überaus fruchtbare Zusammenarbeit noch lange anhalten würde.