Presseberichte aus dem Jahr 2007

Frisches, lebendiges Adieu
Abschied von David Schwarb

Mit nur 21 Jahren übernahm David Schwarb 1997 die Leitung der Cappella dei Giovani. Höchstens zehn Jahre lang wolle er das Ensemble leiten, nahm er sich damals bereits vor. Unter seiner Stabführung gedieh das semiprofessionelle Aargauer Streichorchester prächtig, man heimste wiederholt Preise ein und brachte es im Laufe der Zeit zu breiter, überregionaler Akzeptanz. Leider sind die zehn Jahre nun schon um, Schwarb bleibt bei seinem Entschluss, er gibt die Leitung ab. Am Wochenende war in drei mitreissenden Konzerten zu hören, dass sein Abschied musikalisch äusserst schmerzhaft ist. Die Musizierfreude und Begeisterungsfähigkeit dieses Orchesters machen staunen. Bei aller Frische und Lebendigkeit hat man in keinem Moment den Eindruck, dies sei bloss kalkuliert. Man versteht sich blind, ist bestens aufeinander eingespielt. jeder sitzt sprichwörtlich ganz vorne auf der Stuhlkante, gibt sein Bestes, das Letzte.

Die spannungsgeladenen Gegensätze in Edward Elgars Introduktion und Allegro für Streichquartett und Streichorchester, op. 47, seine rhythmische und harmonische Intensität schöpfen die Musikerinnen und Musiker ebenso energisch wie emphatisch aus. Das eine oder andere Piano gerät bei so viel Draufgängertum etwas laut, Langsames bisweilen zu unruhig, die Wirkung bleibt indes stets überwältigend. Das Streichquartett ist mit Christina Gallati, Cristina Amato, Maja Hunziker und Sabina Diergarten hochkarätig besetzt. Die gestandenen Musikerinnen sind allesamt ehemalige Mitglieder des Orchesters - eine schöne Geste, bei diesem Abschiedskonzert von sich hören zu lassen!

Die junge Caroline Inderbitzin gesellt sich in Karl Amadeus Hartmanns Kammerkonzert für Klarinette, Streichquartett und Streichorchester zu den Streichern. Hartmanns bekenntnishafte Musik ist bei ihr in guten Händen, die Klarinettistin überzeugt mit enormem Gestaltungswillen und grosser Musikalität. Bisweilen forciert sie jedoch allzu stark, der Ton verliert dann Fülle und Substanz, wird eng und scharf. Nichtsdestoweniger ist da eine grossartige Musikerin am Werk - man darf auf kommende Auftritte gespannt sein.

Nach der Pause dann Benjamin Brittens berühmte «Variationen über ein Thema von Frank Bridge», op. 10. David Schwarb und die Cappella dei Giovani ziehen alle Register, spielen anrührend zart, umwerfend komisch, deftig und derb, verbreiten beste Laune und sanfte Melancholie. David Schwarb hat sich ausdrücklich gewünscht, dieses herrliche Kabinettstück nochmals mit der Cappella dei Giovani einstudieren zu dürfen - ein glanzvoller, würdiger Schlusspunkt.

(Daniel Polentarutti in der Aargauer Zeitung, 02.10.2007)

 

Beseelter russischer Musik-Frühling
Die Cappella dei Giovani lässt sich von den Musen küssen

Das […] Kammerorchester Cappella dei Giovani hat eine feste Verankerung im Musikleben des Kantons Aargau. Seit zehn Jahren stehen immer wieder Werke mit hohem Leistungsanspruch auf dem Programm. In den diesjährigen Aprilkonzerten unter der Leitung von David Schwarb kommen Frühlingsgefühle auf, besser noch: Das zwanzigköpfige Ensemble lässt sich von den Musen küssen. Unter dem Titel «Appollon und die russischen Musen» durfte das Publikum am Sonntagnachmittag einen kompakt und transparent gehaltenen Streicherklang erleben, weshalb sich der Besuch im Kultur- und Kongresshaus in Aarau lohnte, trotz dem schönen Frühlingswetter.

In der 1927 komponierten Ballettmusik von Igor Strawinsky «Apollon Musagète» («Apollon als Musenführer») wird eine vermeintlich mythologische Harmonie durch Dur und Diatonik widergespiegelt. Eine an manchen Stellen mitreissende Musik, deren häufig punktierte Rhythmen eine Reminiszenz an die Musik des 18. Jahrhunderts darstellen und vom Dirigenten als auch von den Interpreten einiges an Präzision abverlangen. Keine Hürde für die jungen Musiker der Cappella dei Giovani. David Schwarb gab sichere Einsätze, forcierte, wo nötig, und wusste den für das Werk geforderten kühl-objektiven Klang einwandfrei umzusetzen.

Der erste Konzertteil wurde mit Peter Tschaikowskys Serenade für Streichorchester in C-Dur op. 48 eröffnet. In einem Brief äusserste sich der russische Komponist 1880 an seine Mäzenin, dass seine Musen ihm in letzter Zeit gnädig gewesen seien. Nur musengeküsst und inspiriert kann ein so gefühlvolles musikalisches Kleinod entstehen. Das […] oft aufgeführte Stück hat aber seine Tücken. Denn in den elegant ziselierten Sätzen stecken einige pikante Harmonien, die es intonationssicher zu bewältigen gilt. Doch auch dies löste Schwarb mit seinen Musikern bravourös. Mag sein, dass die innere Spannung gegen Schluss etwas nachliess. Doch das war keine wirkliche Auffälligkeit in Anbetracht dieses beseelten Musizierens.

(Michael Heisch in der Aargauer Zeitung, 24.04.2007)