Presseberichte aus dem Jahr 2003

Jubiläumswürdige Spielfreude
Cappella dei Giovani begeisterte

Mit drei Serenaden legte die höchst engagiert und differenziert spielende Cappella dei Giovani in der Alten Kirche einen beeindruckenden Leistungsbeweis ab. David Schwarb dirigierte mit grosser Kompetenz.

Ein Konzert mit lauter Serenaden - besteht da nicht die Gefahr der Eintönigkeit? Keine Spur! Schwarb forderte sein 22-köpfiges Ensemble, ein Mittelding zwischen Jugendorchester und professionellem Kammerorchester, energievoll und überzeugend zu einem höchst intensiven Spiel voll darstellerischer Vielseitigkeit, sodass das zahlreiche Publikum im idealen Konzertraum vom ersten Takt an gepackt wurde. Das Ensemble feierte damit sein zehnjähriges Bestehen in einer beglückenden Weise. Das ist nicht ganz selbstverständlich, denn das von Verena Gallati in Wohlen gegründete Streichorchester erneuert sich naturgemäss immer wieder. Aber der seit 1997 amtierende Dirigent David Schwarb übt eine grosse Faszination auf die zukünftigen Berufsmusiker aus. Er kann sie mit seinem Feuer, seiner Fachkenntnis und seiner bezwingenden Dirigiertechnik mitreissen. Als Frucht einer intensiven Arbeitswoche präsentierte die «Cappella» in Baden, Boswil und Zürich eindrucksvolle Konzerte, die unter dem Titel «Serenaden aus drei Ecken Europas» standen.

Der Auftakt erfolgte mit der Serenata op. 87 des Andalusiers Joaquin Turina, der sein Werk, 1935 als Streichquartett entstanden, später auf eine Streichorchesterbesetzung erweiterte. Die Wiedergabe bezwang durch eine sehr differenzierte Vielfarbigkeit, eine stark abgestufte Dynamik und ein spürbares inneres Mitgehen der Musikerinnen und Musiker. Diese reagierten konzentriert auf jeden Wink des Dirigenten, der eine bemerkenswerte Darstellung seiner Spielerschar erreichte. Die Soli der Konzertmeisterin Maja Hunziker schwangen sich in blühendem Ton über das Ensemble hinaus.

Klangfarbenreichtum dominierte auch die Serenade für Tenor, Horn und Streichorchester op. 31 des Engländers Benjamin Britten, der mit der Vertonung von Texten aus fünf Jahrhunderten ein faszinierendes Meisterwerk schuf. Christof Breitenmoser gestaltete die Tenorpartie mit einer stark differenzierten Tongebung, die etwas zu stark von der Kopfstimme dominiert wurde. Prolog und Epilog bestritt Simon Scheiwiller mit dem Naturhorn über zeugend. Dem moderne Horn entlockte er berückende Töne. Das Orchester fing die stark kontrastierenden Stimmungen mit delikater Tongebung überzeugend ein.

Mitreissende Spiellust kennzeichnete die Wiedergabe von Dvoraks E-Dur-Serenade op. 29, ein von Folkloreeinflüssen gesättigtes, molodienseliges Werk, das jedermann in seinen Bann zog. Schwarb führte das Ensemble zu höchst expressivem Spiel, in dem eine Fülle musikalischer Ideen mit Hingabe und Gefühl wiedergegeben wurde. Bei der risikoreichen Darstellung verzieh man einige Ungereimtheiten in den 1. Violinen, die den vorteilhaften Gesamteindruck nur wenig schmälerten. Die zahlreichen Besucher feierten die Ausführenden sehr herzlich.

Am vergangenen Dienstag erfuhr die «Cappella» eine öffentliche Anerkennung. Ihr wurde beim Murtener Valiant-Forum, einem Wettbewerb für junge Orchester, der erste Preis verliehen, eine wohlverdiente Motivation für die nächsten zehn Jahre.

(Jürg Haller in der Aargauer Zeitung, 02.09.2003)

 

Zum Wettbewerbskonzert in Murten im August 2003

[…] Jung muss man sein und spielen können. Orchester, deren Mitglieder im Durchschnitt noch nicht dreissig Jahre alt sind, dürfen sich beim Valiant Forum für junge Orchester und Chöre bewerben. Nach einer internen Vorausscheidung treten die Besten in einem Konzert im Rahmen der Murten Classics gegeneinander an.

Passend zum Spielort an der frischen Luft im Murtener Schlosshof spielt die Cappella dei Giovani zwei Serenaden (al sereno: unter heiterem Himmel) von Joaquin Turina und Antonín Dvorák. Die 21 Musikerinnen und Musiker spielen sich mit bemerkenswerter Präzision durch das Programm; die Intonation hält in jedem Moment einem Vergleich mit der Stimmgabel stand. Keine Spur von Wettbewerbsnervosität. Der Dirigent David Schwarb versteht es, sich mit wenigen klaren Gesten durchzusetzen: Alle Instrumentalisten ziehen am gleichen Strick […].

(Frank Gerber in der Berner Zeitung, 28.08.2003)