Kritiken und Presseinformationen

Kammerorchester Cappella dei Giovani feierte 20-jähriges Bestehen mit hochklassigen Interpretationen und Charme
Duo Calva tanzte zum Geburtstag einen Cancan - Aarau, 2. März 2014


von Markus Christen

Die Musik Benjamin Brittens ist eine langjährige Begleiterin der Cappella dei Giovani. Die Inspirationsquelle würdigend, wurde der Gala-Abend zum 20-jährigen Bestehen des Kammerorchesters mit einer fesselnden Interpretation der "Simple Symphony" aus der Feder des englischen Komponisten eröffnet. Das vierteilige Werk offenbart mannigfaltigste Stimmungen und betört den Zuhörer mit lieblich-verspielten bis stürmisch-enthusiastischen Klängen.
Im Kultur- und Kongresshaus Aarau bewies die Orchesterformation, die in Wohlen gegründet wurde und die sich durch eine einzigartige Zusammensetzung auszeichnet, ihre große Spielfreude. Beeindruckend war auch die Präzision, mit der die Musiker unter der Direktion von Droujelub Yanakiew agierten. Kann Benjamin Britten eher als lyrischer Tüftler gelten, so breitete die "Serenade für Streichorchester in e-Moll" des Engländers Edward Elgar eine epische Erzählung aus. Das "Concerto für zwei Violoncelli in g-Moll" von Antonio Vivaldi leitete zum offiziellen Teil des Jubiläumsanlasses über.

Heißblütiger Stilbruch
Zuvor kam es aber noch zu einem überraschenden Stilbruch, bei der die zwei Solisten Daniel Schaerer und Alain Schudel ihre komischen Rollen als Duo Calva einnahmen. Mit ihrem sprühenden Witz begeisterten sie das Publikum. Die Einlage gipfelte in einem rasanten Vortrag des Ungarischen Tanzes Nr. 5 von Johannes Brahms und einer heißblütigen Tanzeinlage zum Cancan von Jacques Offenbach.
Vor der Pause mit einem ausgiebigen Apéro bedankte sich Jérôme Faller, Geschäftsleiter der Cappella dei Giovani, bei den Gästen, den ehemaligen Mitspielern und Dirigenten, den Gönnern und Sponsoren für ihre großartige Treue. "Die Cappella ist ein einzigartiges Ensemble und die besondere Mischung ist unser Erfolgsrezept. Die erfahrenen Musiker sorgen für Disziplin und Gelassenheit. Die jungen Studenten für den Ehrgeiz und die musikalische Fitness. Die Amateure für eine ansteckende Begeisterung und eine ganz spezielle Energie."
Einen besonderen Dank richtete Jérôme Faller an Daniela Hunziker, die sich um die Finanzen des Orchesters kümmert, und an ihre Schwester Silvia Hunziker. "Sie ist langjährige Konzertmeisterin und die Seele des Ensembles."
Den Gala-Abend beschloss die Cappella mit Mozarts berühmter "kleiner Nachtmusik" und den herausfordernden "Variationen über ein Thema von Frank Bridge" von Benjamin Britten. Damit war der Kreis dieses wunderbaren Konzertes geschlossen.

Das einstige Schulorchester
Das Orchester Cappella dei Giovani wurde 1993 von der Musikpädagogin Verena Gallati an der Kantonsschule Wohlen als Schülerorchester gegründet. Zu jener Zeit habe es in der Region ein wahres Nest an musikalischen Talenten gegeben, sagt Jérôme Faller. Mit den Jahren, viele der Gründungsmitglieder befanden sich inzwischen im Musikstudium oder hatten dieses abgeschlossen, bildete sich die einzigartige Mischung des Orchesters aus Amateurspielern, Intrumentalstudenten und professionellen Musikern heraus.
Bei der Suche nach neuen Mitspielern steht der Leitsatz der Nachwuchsförderung an erster Stelle. Musikalisches Zentrum bildet das Streichorchester-Repertoire des 18. bis 20. Jahrhunderts. Von 1997 bis 2008 wurde die Cappella von David Schwarb dirigiert. Unter seiner Leitung erlebten die Musiker im Jahr 2000 mit dem 1. Rang beim Schweizerischen Orchesterwettbewerb in Aarau einen Höhepunkt. In Erinnerung bleibt der Konzertmeisterin Silvia Hunziker der Besuch des Festivals "Les Sommets du Classique" in Crans-Montana.
Seit 2008 steht das Kammerorchester unter der Leitung von Droujelub Yanakiew. Der Dirigent hat "große Freude an der Arbeit mit den jungen Musikern und schätzt deren Leidenschaft, Disziplin und Können." Der nahen Zukunft sieht die Cappella erwartungsvoll entgegen. Im November wird ein Musikfestival in Ollon (VD) besucht. Es folgt die Teilnahme am Festival in Küsnacht am Rigi des nächsten Jahres.